Andy’s story

Andy Lehmann:

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Das multiple Myelom ist ein Teil von mir

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“Ich akzeptiere das Multiple Myelom. Es ist ein Teil von mir. Vielleicht war es vor der Behandlung schon lange in mir, vielleicht wird es irgendwann wieder auftreten. Diese Haltung ermöglicht mir einen gelassenen Umgang mit ihm. Ich halte nichts davon, gegen eine Krankheit zu kämpfen. Dann müsste ich gegen meinen eigenen Körper kämpfen. Das will ich nicht. Ich wollte lernen, mit meinem Multiplen Myelom zu leben.”

 

Andy Lehmann, 64 Jahre alt, selbständiger Medienberater

 

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So eröffnet Andy Lehmann unser Gespräch. Von aussen weist nichts darauf hin, dass er mit Multiplem Myelom lebt. Schwungvoll hat er mich begrüsst und vis-à-vis von mir Platz genommen.

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Für seine Behandlung begab sich Andy Lehmann in die Hände von drei Therapeuten. «Ich vertraue meinen Therapeuten grenzenlos.» Sein Onkologe sorgt für die schulmedizinische Diagnostik und Therapie. Schulmedizin ist notwendig zur Behandlung des Multiplen Myeloms, das war Andy Lehmann von Beginn an klar. Ein Spezialist für Naturheilkunde begleitet in Absprache mit dem Onkologen die laufenden Therapien. Die von ihm verordneten Pflanzenpräparate waren Andy Lehmann zugänglicher als die Medikamente der Chemotherapie. «Sie boten mir eine Ergänzung: Ich fühlte mich emotional und körperlich gut damit.« Die dritte Fachperson ist eine Körpertherapeutin. «Sie wirkt mit ihrer Behandlung auf mein Unterbewusstsein und arbeitet an meinem Gesamtkörperempfinden. Sie hat übersinnliche Kräfte.»

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«Der Körper sagt mir nicht immer, was er braucht.» Andy Lehmann verlässt sich darum vorbehaltlos auf die Expertise seiner Therapeuten. «Ich mache, was die mir sagen. Auch wenn ich das im Moment vielleicht nicht einsehe oder anders erlebe.» Dabei folgt Andy Lehmann nicht blind: Er fragt nach und diskutiert Entscheidungen in der Familie und mit seinen Therapeuten. Entsprechend empfiehlt er, für das Leben mit einem Multiplen Myelom vertrauenswürdige Fachpersonen zu suchen. Von der Wissensrecherche im Internet rät er vehement ab: «Wenn man dort liest, wird man erst richtig krank. Das sage ich als Medienspezialist, der für das Internet schwärmt!» Er selbst hatte ungemein Glück. Als er auf Drängen seiner Frau Edith wegen einer Geschwulst über dem Brustbein seine Orthopädin um Rat fragte, überwies die ihn umgehend an einen Onkologen. «Innert zwei Tagen war ich im Onkologiezentrum. Ich weiss von anderen Patienten, bei denen mit Warten dramatisch viel wertvolle Therapiezeit verloren ging.»

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Andy Lehmann beteiligt sich aktiv an seiner Behandlung. Als beispielsweise die Stammzelltransplantation nicht wie besprochen im erwünschten Spital durchgeführt werden konnte, informierte er sich zuerst bei den Vertretern seiner Krankenkasse betreffend Kostenübernahme und ging sich danach im anderen Spital vorstellen: Er lernte den verantwortlichen Arzt kennen und besichtigte ein Patientenzimmer. «Nach der ersten Enttäuschung konnte ich mich so gut umstellen. Dank diesem Termin trat ich positiv gestimmt ins Spital ein, mit Vertrauen auf die doch kühne Therapie zur Stammzelltransplantation.» Trainiert in Perspektivenwechsel ist ihm bewusst, dass die Sachbearbeiterin der Krankenkasse ihn weder persönlich vor sich sieht, noch sein Dossier im Detail kennt. Die Empfangsdame im MRI-Zentrum ist vor allem am reibungslosen Ablauf interessiert. Er lässt sich auf seine unterschiedlichen Vis-à-vis ein. «So komme ich mir nicht als armer, bedürftiger Patient vor. Ich finde heraus, was ich verlangen darf und setze das konsequent und selbstbewusst durch.»

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Edith Lehmann engagiert sich intensiv für die Therapie ihres Mannes. Sie vermittelte den Kontakt zum Spezialisten für Naturheilkunde und übernahm es zum Beispiel,
ihrem Mann während einiger Wochen ein Pflanzenpräparat zu spritzen. Manchmal hat sie andere Fragen oder Anliegen als ihr Mann. Die bespricht sie mit ihm und trägt sie dann dem dafür zuständigen Therapeuten vor. Sie ist bei allen wichtigen Konsultationen dabei. Die Kombination von Schulmedizin und Naturheilkunde war dem Ehepaar Lehmann schon bei Erkrankungen eines ihrer drei Kindern eine Selbstverständlichkeit.

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Seiner Frau und seinen erwachsenen Kindern stellte Andy Lehmann es frei, wem sie von seiner Krankheit erzählten. «Ich wollte sie nicht noch zusätzlich mit Anweisungen belasten.»

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“IN DER FAMILIE FÜHRTE DAS EHEPAAR LEHMANN KOMMUNIKATIONSREGELN EIN. SIE WOLLTEN NICHT STÄNDIG ÜBER DIE KRANKHEIT SPRECHEN.”

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«Wenn wir als Familie zusammen auswärts essen, ist das zum Beispiel eine Zone, wo die Krankheit kein Thema ist. Damit blieben auch während der ersten Krankheits- und intensiven Therapiezeit alle Alltagsthemen im Gespräch. Das Thema meines Befindens verschwand im Hintergrund.» Die Familienangehörigen übernahmen Andy Lehmanns Gelassenheit im Umgang mit seiner Krankheit, im Wissen um deren Bedrohlichkeit. Sie freuen sich gemeinsam über das gute Ansprechen auf die Therapie.

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Ausserhalb der Familie informierte Andy Lehman «umsichtig, eher zurückhaltend. Es gibt Leute, die können nicht damit umgehen, wenn sie wissen, dass jemand eine
Krebsdiagnose hat.» Jemand brach den Kontakt ganz ab, jemand distanzierte sich. Andere fragten unbeholfen oder unüberlegt, zum Beispiel: Geht es immer noch gut? «Das ist eine schlimme Frage. Wie wenn die Krankheit schon wieder da wäre, nur weiss ich es noch nicht. Da muss man Regeln aufstellen, das sollen die Leute für sich behalten.»

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An einem 24. Dezember erhielt Andy Lehmann ambulant seine erste Dosis Chemotherapie. Genau ein Jahr später durfte er, nach der Stammzelltransplantation, früher als erwartet das Spital verlassen: Seine Blutbildung hatte sich ausserordentlich schnell erholt. Gemäss der Empfehlung seines Onkologen reiste Andy Lehmann danach für drei Wochen zur Rehabilitation. «Vom Kopf her wäre ich schon beim Austritt aus dem Spital fit gewesen. Rückblickend war der Reha-Aufenthalt aber sehr gut: In den drei Wochen lernte ich Neues über meinen Körper. Einige der Übungen von dort praktiziere ich bis heute. Im Spital hatte ich 13 Kilogramm abgenommen. Das war nicht ohne. Und die Seele braucht auch ihre Zeit. Am Schluss wäre ich sogar gerne noch länger geblieben!»

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Andy Lehmann bekommt aktuell alle zwei bis drei Monate ein Präparat zum Knochenaufbau und Knochenschutz. Die Kontrolle der Myelom-Werte erfolgt alle sechs Monate. «Ich lebe gut!» Breit lächelnd verabschiedet er sich: Seine Agenda ist voll. Mit Schwung eilt er zum nächsten Termin.

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Adapted from the brochure "Multiple myeloma: Life with the disease” from the patient advocacy group "Myelom Kontaktgruppe Schweiz", 
MKgS: www.multiples-myelom.ch. Download the PDF here.